Lesung

„Rohrkrepierer“ Eine Jugend auf St. Pauli

Konrad Lorenz + Hans Georg Spiegel

 


Dr. Martin Wilhelmi

Hamburg-St. Pauli in der Nachkriegszeit. Der halbe Stadtteil besteht aus Ruinen.
Das Betreten der Trümmer ist für Kinder streng verboten, aber so ist es doch
mit allen Dingen, die Spaß machen. Kalle und seine Freunde wachsen zwischen
Talstraße, Reeperbahn und Großer Freiheit auf. Sie erleben eine Stätte des Aufbruchs und der Überlebensstrategien in einer Welt von Spießbürgern, Seeleuten und Prostituierten. Die Väter fehlen, und die, die wiederkommen, sind kriegsgeschädigt – vor allem im Kopf. Die Mütter sind es, die den Kampf ums Überleben organisieren. Und die Kinder lernen auf der Straße, was ihnen in der Schule niemand erzählt. Sie rennen zur Mutprobe einmal pro Woche durch die Herbertstraße, trinken bei »Tante Hermine«, der ersten Szene-Kneipe in der Hafenstraße, ihre ersten Biere und wissen, dass man um Schläger wie Murksi, die Ratten in einem Ofenrohr krepieren lassen, lieber einen Bogen machen sollte. Als Kalle schließlich seine erste große Liebe auf der anderen Seite der Elbe trifft, bekommt er seine wichtigste Lektion: Dass es einhundertundacht verschiedene Möglichkeiten gibt, eine Hand zu nehmen.

Mit »Rohrkrepierer« hat Konrad Lorenz einen fesselnden und authentischen Roman über seine eigene Kindheit und Jugend bis 1962 geschrieben – und zugleich ein einfühlsames Porträt eines ganz besonderen Stadtteils vorgelegt. Im Anhang zeigen Originalfotografien die Personen und Orte, die im Buch verarbeitet wurden.

Passend zum Milieu übernimmt Hans Georg Spiegel mit seinem Akkordeon den musikalischen Teil des Abends.

Der Autor Konrad Lorenz wurde 1942 auf St Pauli am Hein-Köllisch-Platz (damals Paulsplatz) geboren. Dem Schulbesuch in der Taubenstraße und am Holstenwall
folgte eine Lehre als Maschinenschlosser, dann Seefahrt und Studium zum
Schiffsmaschinenbau-Ingenieur. Lorenz lebt in Hamburg, in den 1960er Jahren
erschienen zahlreiche Kurzgeschichten („Geschichten von’ne Küst“), 1991 sein
fantastisches Märchen »Das Nachtschattenspiel«.

Hans Georg Spiegel studierte Posaune, Elementare Musikpädagogik und Akkordeon in Hamburg, Hilversum und Johannesburg. Seit 1999 ist er Instrumentallehrer an der Staatlichen Jugend-Musikschule Hamburg, seit 2003 Professor für Methodik und Didaktik der Blechblasinstrumente an der Hochschule für Musik und Theater, Hamburg. Mit dem Akkordeon spielt Hans Georg Spiegel in unterschiedlichen Musikrichtungen in Theatern und bei Funk- und Fernsehaufnahmen. Er ist Mitglied der "Geheimräte", dem kultigen Hamburger Blechbläserquartett.

 



Mi. 05.10.2011 20:00 Uhr
(Einlass 19:00 Uhr)
Schweinske, Bahnhofstr. 61
Eintritt 7,--€, Mitglieder 6,-- €

 

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